DSFG102

ETN-Code: DSFG102

Titel der Veranstaltung: Großreiche und Imperien von Byzanz bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

Untertitel:

Art der Lehrveranstaltung: Seminar

Kreditpunkte: 6

Semester: WiSe 2025/26

Turnus: gemäß Curricula

Semesterwochenstunden: 2

Kursverantwortliche/r: Gehler Michael [1202100169]

Dozent/in: Gehler Michael [1202100169]
Wakounig Marija [1202100174]

Organisationseinheit: Doktorschule

Ziele und Inhalt des Kurses: Ziele: Das Fach-/ID-Seminar soll Studierende befähigen, selbständig, inhaltlich differenziert, methodisch innovativ sowie quellenkritisch und „handwerklich” einwandfrei, wissenschaftliche Themen zu bearbeiten und verfassen, um bestmöglich auf akademische Qualifikationsarbeiten vorbereitet zu werden. Das Seminar soll bleibende Eindrücke von der Geschichte von Großreichen und Imperien prägen, wonach dieser Kontinent sich in einem ständig Wechsel von Krieg und Frieden von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart bewegte, wobei die fragwürdigen Motive und die verheerenden Folgen der militärischen Auseinandersetzungen bewusst gemacht werden. Umso mehr wird die Erkenntnis daraus erwachsen, dass Großreiche und Imperien nicht der Geschichte angehören, sondern aktueller denn je sind und wieder vor dem Hintergrund neuer Mächte und der „Achse der Diktaturen” (Anne Applebaum) neu zu betrachten und zu diskutieren sind.

Thema der einzelnen Lehreinheiten:

 Inhalt: Die Beschäftigung mit Imperien und Reichen hat zuletzt eine merkliche Konjunktur erfahren. Im Rahmen dieser Lehrveranstaltung sollen verschiedene imperiale Ordnungen und hegemoniale Reichsbildungen der Neuzeit vergleichend analysiert werden. In einem ersten Teil der Seminar-Beiträge geht es um die Realgeschichte der Imperien und Hegemonialmächte (Entstehung; Struktur, Ausdehnung, zeitgenössische Reaktionen und Wahrnehmung durch Dritte, den größeren machthistorischen Kontext sowie um Erosion und Zerfall). In einem zweiten Teil wird die Rezeptionsgeschichte behandelt (Wirkungsgeschichte, Bezugnahmen auf andere ältere Imperien, Historiographien und der moderne Forschungsstand). Es werden Byzanz, die Personalunion Polen-Litauen, Venedig, die Habsburgermonarchie, das Wilhelminische Reich, das British Empire und das Ende von vier Großreichen im Zuge des Ersten Weltkriegs auf diese Fragen hin untersucht.

Dabei wird mit Quellen (Bildern, Texten und vor allem Landkarten) gearbeitet, wobei folgende Kriterien im Mittelpunkt stehen:

Fragen und Zugänge:

I. Realgeschichte der Imperien

1.  Entstehung (Gründungsmythos?, Machtvakuum?, Nachbarn?, machthistorischer Hintergrund und machtpolitischer Kontext?, antagonistische Mächte?

2. Struktur (Führung, Repräsentanten, Apparate, Heer, soft power Faktoren, Institutionen, Verwaltung, Zentrum-Peripherie, Zentralisierung-Dezentralisierung);

3. Ausdehnung Expansion, Etablierung, Integration, Selbstdarstellung (Offenheit, Unbestimmtheit, „die Dynamik instabiler Grenzen“, Legitimation, Missionen, Versprechen, Kommunikation nach innen und außen, Reform-, Widerstands- und Regenerationsfähigkeit; Dauerhaftigkeit versus Schnelllebigkeit: longue durée-Reiche oder kurzlebige Kriegsimperien?;

4. Reaktionen und Wahrnehmung durch Dritte, größerer Kontext;

5. Erosion und Zerfall (schleichender und sich ziehender Niedergang, Wechsel der Dynastien, institutioneller Verfall) oder abruptes Ende und totaler Zusammenbruch? ----> Rückwirkung auf Rezeption)i

II. Rezeptionsgeschichte der Imperien

1. Konkrete Wirkungsgeschichte (Erbe, Hinterlassenschaft und zivilisatorische Leistungen);

2. Imaginierte Rezeptionen (Ausblendungen, Realfiktionen, Vergessenheit und Vernachlässigungen, Stilisierungen, Überinterpretaion, Unverhältnismäßigkeit in den Bedeutungszuschreibungen);

3. Bezugnahmen auf geschichtliche Imperien, Vorläufer, Erzeugung von historischem Bewusstsein und Tradition, imperiale Schein-Kontinuitäten);

4. Historiographien (Historiker und ihre Schulen: Wer macht ein Imperium zum Imperium, wer schreibt ein Imperium groß?);

5. Moderner Forschungsstand und epochenübergreifender Vergleich (Analogien, Parallelen, Unterschiede).

Methoden: Da dieses Fach-/ID-Seminar geblockt (xx.–xx. xx.2025) stattfindet, werden die Studierenden gebeten, im Vorfeld folgende Arbeitsschritte zu erledigen: a) auf Grundlage selbst gewählter Literatur (siehe Literaturhinweise und bereitgestellte Literatur) und Quellen sollen Arbeitsthemen selbständig bis spätestens xx.xx.2025 entwickelt und b) bis vor dem Blocktermin Termin (bis spätestens xx. xx.2025) ein mehrseitiger Essay – als Einstieg und auch als Diskussionsbasis – zu „Grundlagen und Fragen von Großreichen und Imperien” mit mindestens einem historischen Beispiel verfasst werden, der sich an den oben genannten Fragestellungen und Kriterien  orientiert. Beim Blockseminar werden nach den Einführungen der beiden Lehrveranstaltungsleiter/innen sowohl die Essays als auch die Themen von den Studierenden präsentiert und diskutiert; diese Arbeitsschritte (inklusive Feedback) dienen dem Forschungsdesign (Struktur und Erstellung eines Proposals vom Inhalt und Relevanz des Themas über die Forschungsmethode/n sowie Quellen und Literatur) der SeminarArbeit (Deadline 1.3.2026).

Termin

Thema

Literatur

1.  Tag

16. 10. 2025, 9.00–18.00 Uhr

9.00–12.30 Uhr

 

Eröffnung: Vorstellung aller Teilnehmenden; Grundlegendes zum wissenschaftlichen Handwerk; Termine und Fristen; Einführungen ins Thema: Vorstellung der Themen

 

  • Ausgangspunkte: Großreiche und Imperien – Begrifflichkeiten und Fragestellungen MG

 

  • Das Oströmische Reich von Konstantin I.  und Theodosius zu Konstantin XI. (Kōnstantinos Dragasēs Palaiologos)  (324/395-1453) MG

 

  • Das Venezianische Reich MW

 

  • Das Großfürstentum Polnisch-Litauen 1569 bis 1795  MW

 

  • 13.30–18.00 Uhr Fortsetzung

 

  • A Never Ending Empire? Das Britische Weltreich MG

 

  • Das Habsburgerreich der Doppelmonarchie 1867-1918 MW

Brendon, Piers, The decline and fall of the British Empire 1781-1997, London 2008; Burbank, Jane/Cooper, Frederik, Imperien der Weltgeschichte. Das Repertoire der Macht vom alten Rom bis heute, Frankfurt/Main – New York 2012; Davies, Norman, Verschwundene Reiche. Die Geschichte des vergessenen Europa, Darmstadt 2013; Demandt, Alexander (Hrsg.), Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion, München 1997; Ferguson, Niall, Empire. The Rise and Demise of the British World Order and the Lessons for Global Power, New York – London 2002; Gehler, Michael/Rollinger, Robert (Hrsg.), Imperien und Reiche in der Weltgeschichte. Epochenübergreifende und globalhistorische Vergleiche, 2 Teilbde, Wiesbaden 2014; Gehler, Michael/Rollinger, Robert/Strobl, Philipp (eds.), The End of Empires (Universal- und kulturhistorische Studien/Studies in Universal and Cultural History), Wiesbaden 2022; Hausteiner, Eva Marlene/Huhnholz, Sebastian (Hrsg.), Imperien verstehen: Theorien, Typen, Transformationen, Baden-Baden 2019; Judson, Pieter, Habsburg. Geschichte eines Imperiums 1740-1918, München 2017; Kennedy, Paul, Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000, Frankfurt/Main 1991, 4. Auflage 2003; MacKenzie, John (ed.), The Encyclopedia of Empire, 4 Vols., Cambridge 2014; Menzel, Ulrich, Die Ordnung der Welt. Imperium und Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt, Berlin 2015; Münkler, Herfried, Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten, Berlin 2005; Nolte, Hans-Heinrich, Kurze Geschichte der Imperien. Mit einem Beitrag von Christiane Nolte, Wien – Köln –Weimar 2017; Prietzel, Malte, Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter (Geschichte Kompakt), Darmstadt 2004; Schmidt, Gustav, Der europäische Imperialismus, München 1989; Wende, Peter, Das britische Empire. Geschichte eines Weltreichs, München zweite Auflage 2009.

2. Tag

 

17.10.2025, 9.00–18.00 Uhr

9.00–12.30 Fortsetzung

 

  • Das wilhelminische Kaiserreich 1871-1918 MG

 

  • Die Pariser Nachkriegsordnung und das Ende von vier Großreichen I ( ZR MW, DK MG) 

 

13.30-18.00 Fortsetzung

 

  • Die Pariser Nachkriegsordnung und das Ende von vier Großreichen II ( HM MW, OR MG) 

 

Anschließend Diskussion über die bereitgestellte Lektüre, Zitierregeln, Methoden/Theorien, Proposal; Präsentation und Diskussion der Fach-/ID-Arbeitsthemen sowie Abschluss

 

 

Empfohlene Literatur (für die Gesamtveranstaltung):

Sprache der Lehrveranstaltung: Deutsch (ger)

Notenskala: Prüfung (fünfstufig)

Form und Umfang der Leistungskontrolle:

Art der Leistungskontrolle/Bewertung

  • Verfassen eines Essays (2–4 Seiten mit Anmerkungen) als Einstieg und Diskussionsbasis ins Thema und selbständige Arbeitsthemenfindung bis spätestens 05.10.2025 (20 %)
  • Mündliche Präsentation beim Blockseminar (15 %)
  • Verfassen einer schriftlichen Seminararbeit (15-Seiten) bis spätestens 15.01.2026 (50 %)
  • Führung eines verpflichtenden Forschungstagebuches und schriftliche Selbstevaluation (15 %)
  • Notenskala: Sehr gut (5), Gut (4), Befriedigend (3), Genügend (2), Nichtgenügend (1)

Prüfungsanmeldung: über das elektronische Studienverwaltungssystem

Anmerkungen:

Erreichbarkeiten: 

gehler@uni-hildesheim.de

marija.wakounig@univie.ac.at