ETN-Code: MESKD102
Titel der Veranstaltung: Transkulturalität und Kulturkonflikt
Untertitel: Anti-Amerikanismus und Mitteleuropa
Art der Lehrveranstaltung: Kurs
Kreditpunkte: 4
Semester: WiSe 2026/27
Turnus: gemäß Curricula
Semesterwochenstunden: 2
Kursverantwortliche/r: Grünzweig Walter [1201900163]
Dozent/in: Grünzweig Walter [1201900163]
Organisationseinheit: Lehrstuhl für Kulturwissenschaften
Ziele und Inhalt des Kurses: In Analogie zu einer Aussage über den Anti-Semitismus könnte man sagen: Der Anti-Amerikanismus ist nicht das Problem der „Amerikaner“, sondern derjenigen, die eine feindselige Einstellung gegenüber „Amerikanern” haben. Tatsächlich werden in Europa – und ganz besonders in Mitteleuropa – im antagonistischen USA-Diskurs kulturelle Konflikte verhandelt, für die die Neue Welt oft nur Gesprächsanlass oder Vorwand bieten, insbesondere das Unbehagen an der Moderne und am Kapitalismus, für die wahlweise Amerikaner und Juden, gerne auch in Personalunion, verantwortlich gemacht werden. Der Anti-Amerikanismus ist lager- und parteiübergreifend. Bei der Rechten äußert er sich negativ im elitären kulturellen Bereich; die egalitären Amerikaner sind allerdings politisch willkommen zur Abwehr revolutionärer Gefahren. Die Linke moniert den US-Imperialismus, kopiert jedoch häufig bereitwilligst kulturelle Diskurse, mit denen sich die Vereinigten Staaten häufig hingebungsvoll selbst scharfer Kritik unterziehen. Der deutschsprachige Anti-Amerikanismus beginnt in Csatád im Königreich Ungarn. Dort wurde 1802 der romantische Lyriker Nikolaus Lenau (Nikolaus Franz Niembsch Edler von von Strehlenau (1802-1850) geboren, der es in den 1830er Jahren tatsächlich bis nach Ohio schaffte, und seine negativen Erfahrungen in einem weltberühmten Klischee formulierte – dass nämlich die Nachtigall Amerika so sehr verabscheut, dass sie da nicht leben will. In seinem „amerikanischen Kulturbild” betitelt DER AMERIKAMÜDE (1855) verarbeitet Ferdinand Kürnberger (1821-1879), der wie Karl May zwar längere Zeit im Gefängnis, aber kaum in Amerika war, Lenaus Erfahrungen zu einem weiteren anti-amerikanischen Standardwerk. Diese Werke legen eine erstaunlich stabile Grundlage für den Anti-Amerikanismus im 20. und 21. Jahrhundert. Das Seminar untersucht die Produktivität des Anti-Amerikanismus für das Verständnis europäischer Kulturkonflikte. Dabei wird auf den Zusammenhang mit dem Anti-Semitismus besonderes Augenmerk gelegt. Nach einer Einführung in wissenschaftliche Erklärungsmodelle des Phänomens, darunter von zwei ungarischen Muttersprachlern, dem US-amerikanischen Soziologen Paul Hollander (geb. 1932 in Budapest) und dem US-Politikwssenschaftler und Soziologen Andrei S. Markovits (geb. 1948 in Timișoara/Temesvár), beschäftigen wir uns mit Beispielen des Anti-Amerikanismus in verschiedenen Bereichen und loten seine kulturelle Produktivität und Konsequenzen aus. Die Teilnehmer/innen werden durch die Präsentation selbstgewählter Beispiele die weiterhin bestehende große Vielfalt anti-amerikanischer Diskurse untersuchen.
Thema der einzelnen Lehreinheiten:
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Termin |
Thema |
Literatur |
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KW 37-43 |
Einführung Erklärungsmodelle des Anti-Amerikanismus - Transatlantische Beziehungen - Historische Kontexte - Paul Hollander, Anti-Americanism (1992) - Dan Diner, Feindbild Amerika (2002) Erklärungsmodelle des Anti-Amerikanismus - Anti-Semitismus und die Moderne - Andrei S. Markovits, Amerika, dich hasst sich’s besser (2004)
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Ein Reader mit den Texten der Primär- und Sekundärliteratur wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. |
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KW 44-47 |
Varianten des Anti-Amerikanismus - Nikolaus Lenau und Ferdinand Kürnberger - Antiamerikanismus und die Linke - Anti-Amerikanismus im Nationalsozialismus - Anti-Amerikanismus der Gegenwart |
Die Texte sind Teil des Readers. |
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KW 48-50 |
Präsentationen von Studierenden
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Die Texte sind Teil des Readers. |
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KW 51 |
Epilog: Anti-Europäismus? Schlussbesprechung und Evaluation |
Die Texte sind Teil des Readers. |
Empfohlene Literatur (für die Gesamtveranstaltung):
Sprache der Lehrveranstaltung: Deutsch (ger)
Notenskala: Prüfung (fünfstufig)
Form und Umfang der Leistungskontrolle:
Mündliche Präsentationen in KW 48-50; schriftliche Seminarprojektarbeit über ein Werk bzw. eine Thematik.
Prüfungsanmeldung: über das elektronische Studienverwaltungssystem
Anmerkungen: